14. September 2023 von dkortmann

Leistung und Wettbewerb

Sportliche Ergebnisse können der Spiegel des Zustands einer Gesellschaft und einer Volkswirtschaft sein. Die deutschen Athleten kehrten kürzlich ohne eine einzige Medaille von der Leichtathletik-WM zurück. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat scheinbar das Siegen verlernt. Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft wurde hingegen zum ersten Mal Weltmeister – unter einem kanadischen Trainer. Und plötzlich lernt die DFB-Elf unter einem Interims-Trainer aus den 90er Jahren wieder das Siegen.

Prof. Dr. Florian Becker hat es in einem LinkedIn Post auf den Punkt gebracht:

Unsere Gesellschaft verpönt Ambition, Ehrgeiz und Wettbewerb, um zu vermeiden, dass es jemand nicht aufs Siegertreppchen schafft. Dabei wird verkannt, dass der zweite und dritte Sieger ihren Beitrag zur Leistung des ersten geleistet haben. Jeder 100m-Läufer weiß, dass er am schnellsten läuft, wenn die Konkurrenz am härtesten ist und der zweite ihm dicht auf den Fersen sind.

Auch wirtschaftlich und gesellschaftlich kommen wir dann am weitesten, wenn wir uns mit anderen messen. Jeder wirtschaftliche Erfolg beruht auf den Beiträgen vieler, auch auf dem Antrieb der Wettbewerber. Wer sich noch an die automobilen Errungenschaften der DDR im Vergleich zu denen in der Bundesrepublik erinnert, kennt ein plastisches Beispiel dafür, wie viel weiter Wettbewerb den technischen Fortschritt treiben kann.

Ich trete dafür ein, dass wir Wettbewerb und Ambition wieder wertschätzen, dabei die Sieger ehren und daran auch die anderen Teilnehmer teilhaben lassen, weil sie die Summe der Leistungen erhöhen und das ganze Feld bzw. die ganze Gesellschaft nach vorne bringen.

Deshalb schützt das Kartellrecht den Wettbewerb als solchen, und das Steuerrecht bittet die vorderen Plätze mehr zur Kasse als die hinteren. Unser Sozialstaat denkt auch an diejenigen, die vorübergehend auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Aber nur wenn wir die Sieger ehren, werden wir als Gesellschaft und Volkswirtschaft zu Höchstleistungen fähig sein, Raketen ins Weltall schießen, Menschen auf den Mond schicken, den Krebs besiegen und den Klimawandel aufhalten.

Und deshalb setzen wir Freie Demokraten uns dafür ein, dass die Leistungsträger in unserer Gesellschaft nicht übermäßig besteuert werden. Deshalb fordern wir Steuersenkungen statt -erhöhungen und wenden uns gegen bevormundende Regulierung und Bürokratie.

Deshalb engagieren wir uns auch gegen Verbote, wo Technologieoffenheit den Wettbewerb breiter und offener macht. Je weiter der Möglichkeitsraum menschlicher Entfaltung ist, desto mehr denkbare Lösungen werden für ein spezifisches Problem getestet. Und am Ende entscheiden die Verbraucher, welche Lösung sie bevorzugen – das ist selten nur eine für alle. Hier ist Vielfalt der Trumpf der Marktwirtschaft – und deshalb gibt es  nicht nur erste, sondern auch zweite, dritte und viele Sieger.

Schließlich gibt es noch eine bildungspolitische Dimension von Wettbewerb: Wie Leonard Sax in seinem Buch „Jungs im Abseits“ herausgearbeitet hat, lernen Jungs am besten spielerisch durch Ausprobieren und in kompetitivem Umfeld. Wenn wir jede Form von Wettbewerb aus den Schulen verbannen, werden Jungs systematisch benachteiligt. Bildungsgerechtigkeit erfordert daher einen positiven Umgang mit Wettbewerb und Leistung!


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